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Warum Palma unser Leben völlig auf den Kopf gestellt hat

Palma-Flugzeug-von-oben

Wir sind im Juli 2015 für ein Sabbatical nach Palma gegangen. Bei dem Sabbatical handelte es sich um einen Kompromiss, den mein Mann und ich geschlossen hatten, um seinem Fernweh Herr zu werden. Wir sind seit 1995 ein Paar und etwa seit 1998 hat Dirk jedes Jahr im Frühling eine Krise, die mich immer an meine Grenzen getrieben und unsere Beziehung sehr belastet hat. Meine Hauptaufgabe lag jedes Jahr darin, ihm klar zu machen, dass sein Leben ganz toll ist und er zufrieden sein soll, mit dem was wir alles erreicht haben. Kurze Erklärung: das Fernweh war nicht zu bezwingen mit unserem alljährlichen Urlaub an der Nord-, und Ostsee oder am Mittelmeer. Dirk wollte raus und zwar komplett, aber eben mit mir zusammen. Und ich wollte rein und zwar komplett, mit ihm zusammen, Kindern, Haus und Karriere. Und so kam es dann auch… Wir machten Abi, studierten, ich ging arbeiten, wir bauten uns ein gemeinsames Leben auf und alles war super und perfekt wie es war, für mich!

Dirk sagte direkt mit dem Studium, „Arbeitnehmer werde ich nicht“. Ich brauche keinen Chef, der mir sagt, was ich zu tun habe. Ich fand das extrem anstrengend, aber unterstützte ihn und so wurde er wissenschaftlicher Lektor und handelte mit Aktien. Beides so erfolgreich, dass seine Art selbstständig zu arbeiten, zu denken und zu handeln, seinen Freigeist weiter befeuert hat. Das Fernweh kam wieder und wieder und wieder und nebenbei kauften wir ein Haus, sanierten es von oben bis unten, legten einen tollen Garten an, bekamen zu unserer großen Tochter noch Zwillinge dazu und alles war perfekt, für mich!

Versteht mich nicht falsch, die Kinder sind auch heute noch perfekt und auch die Erinnerungen an unser Leben. Ich liebe dieses Leben gelebt zu haben, mit all seinen Ecken und Kanten…

Aber was passierte nun mit mir, die ja so glücklich war in diesem Leben?

Als die Zwillinge zwei Jahre alt waren im Herbst 2012 bin ich wieder arbeiten gegangen. Angefangen habe ich mit einer 16-Stunden-Woche, aber es war Anlaufphase mehrerer Neufahrzeuge in zwei Hallen und das Projekt erforderte meine Anwesenheit bis zu 45 Stunden pro Woche. Mal mehr, mal weniger, aber niemals 16 Stunden. Ich brach nach einem Jahr zusammen, einfach an meinem Schreibtisch. Diagnose Tinnitus, Herzrhythmusstörungen uvm.… Natürlich kannte ich diese Belastung schon von vor den Zwillingen. Aber Karriere mit drei Kindern, von denen immer eines gerade nicht durchschlief oder krank war, geht nicht ohne Unterstützung von außen. Dirk arbeitete bis zu 80 Stunden die Woche in seinem Büro in unserem Haus und war glücklich dabei. Ich funktionierte nur noch, ich lebte nicht mehr. Auch das kannte ich von früher, ich bin so erzogen worden, also war es unterbewusst total okay für mich. Ich wurde sechs Monate krankgeschrieben und hatte Zeit nachzudenken, über das Leben und ob alles so weitergeht wie bisher, bis zur Rente z.B.???!!!
Stress habe ich auch heute noch, unsere Kinder haben gerade drei Freundinnen zum Essen da und somit ist es ziemlich laut während ich schreibe, aber es ist positiver Stress und das ist des Rätsels Lösung, aber dazu später mehr.

Wir saßen nun also Anfang 2014 in unserem schönen Haus, in einem der schönsten Stadtteile Bremens und hatten eine unfassbare Krise. Dirk hatte wieder Fernweh und zweifelte alles an, und ich ließ mich zum ersten Mal darauf ein. Ich hatte keine Energie mehr, ihn davon zu überzeugen, dass es mir super geht und ich das Leben genauso möchte wie es ist. Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, dass es evt auch noch andere Lebensformen gibt, für die ich weniger arbeiten müsste. Ich brauchte dafür ein gutes Jahr. Ich arbeitete wieder und wir saßen jetzt jeden Tag zusammen und machen Brainstormings. Immer mit anderen Fragen…

Was brauche ich, um glücklich zu sein, war die Basis jedes Gesprächs

Das erste Ergebnis unserer zahlreichen Gespräche war: „Wir machen als fünfköpfige Familie eine einjährige Reise durch Europa“. Finja war damals acht Jahre alt und sollte unterwegs unterrichtet werden. Wir planten, einen Ford Nugget zu kaufen und mit diesem unseren Trigano Caravan (Zeltanhänger) zu ziehen und quer durch Europa zu fahren. Die Route stand, der Termin auch und dann bekam ich Angst. Ich wollte nicht ein Jahr so eng und 24 Stunden am Tag zusammen sein, so ganz ohne Job, System, Kindergarten, Freunde usw…

Wir suchten einen Kompromiss und dann bekam ich eines Morgens eine Mail in die Firma mit dem Titel: „Ich habe mich verliebt“. Ergebnis: Kloß im Hals, noch mehr Angst… Zum Glück war der Inhalt der Mail ein Link zu einer Wohnung in Palma und ich verliebte mich auch… sofort! Ich wusste sofort, genau das machen wir, meine innere Stimme brüllte „Buch den Flug“ und genauso kam es. Ein paar Tage später, Ende Januar 2015 saßen wir im Flieger Richtung Palma. Wir flogen das erste Mal in unserem Leben nicht pauschal inkl. Hotel. Der Flug kostete etwa 150€ hin und zurück für uns beide. Die Mädels waren bei Oma und Opa gut aufgehoben und wir waren drei Tage zu zweit, was wir nicht mehr kannten seit der Geburt unserer großen Tochter vor neun Jahren.

Wir landeten in Palma und wurden von unserem Airbnb-Apartment-Besitzer, der am Flughafen arbeitet, direkt am Flugzeug abgeholt und zu unserem Autovermieter gefahren. Im Besitz des Wohnungsschlüssels fuhren wir direkt in die Stadt, parkten ganz entspannt in der Blue Zone (blaue Streifen) und kassierten am nächsten Morgen unser erstes Knöllchen (60 Euro). Noch vor der Besichtigung der ersten Wohnung… Aber unser Glas ist seit diesem Tag halb voll und wir amüsierten uns über unsere Blödheit. Etwas geschah mit uns in dieser Stadt und er lässt uns bis heute nicht mehr los. Während ich das schreibe habe ich Gänsehaut, weil es mein gesamtes Leben und Denken verändert hat.

Wir hatten sechs Besichtigungen in den zwei Tagen und wie erwartet, haben wir uns am Ende der Reise tatsächlich für die Wohnung entschieden, die unsere Liebe ausgelöst hatte.

Aber es sollte anders kommen…

Ich hab vergessen zu erwähnen, warum wir überhaupt direkt planten, eine Wohnung zu kaufen, anstatt einfach zu mieten. Es herrschte eine sehr günstige Phase für Investitionen und unser Gefühl, das Richtige zu tun, hat uns nicht getrogen. Aber auch dazu später mehr…

In Deutschland zurück ließen wir das Objekt der Begierde auf Herz und Nieren prüfen und leider fiel es durch den Test, da es in Spanien zu jedem Wohnobjekt ein behördliches Protokoll bzgl. sämtlicher baulich vorgeschriebener Sanierungsmaßnahmen gibt. Das Haus, in dem sich die Wohnung befand, war laut Protokoll sehr sanierungsbedürftig und es gab nur vier Einheiten, durch die sämtliche Kosten geteilt werden sollten. Wir nahmen Abstand von dem Kauf und sagten ab, eine Bauchentscheidung, die sich später als für uns perfekt herausstellen sollte.

Dirk flog im Februar noch einmal alleine für drei Tage nach Palma und wir entschieden uns wieder für eine Wohnung in einer tollen Lage, 2. Stock, größer als die erste, aber mit Minibalkon und riesigen Mülltonnen direkt vor dem Haus. Die Maklerin sagte uns, dass diese demnächst versetzt werden. Sie stehen heute noch da, aber die Wohnung war definitiv traumhaft von innen und das Preis-Leistungsverhältnis top. Damals entschied sich die Familie dafür, doch nicht zu verkaufen und somit planten wir Reise Nummer drei, wieder zu zweit und nur für zwei Tage und eine Übernachtung.

Es war mittlerweile April und wir wollten zum Sommerferienbeginn Ende Juli unser Sabbatical starten. Wir hatten fünf Wohnungsbesichtigungen mit drei verschiedenen Maklern geplant.
Vier davon entsprachen nicht unseren Vorstellungen, waren entweder zu laut, zu sanierungsbedürftig, zu hoch, merkwürdige Hausgemeinschaft, zu langer Flur, Blick auf Hauswände oder in einen Schacht.
Eine fanden wir toll, aber unsere Maklerin war der Ansicht, dass diese durch den Schnitt auf Dauer zu klein für uns fünf sei. Also durchforstete sie bis spät abends das Internet nach einer Wohnung und schrieb uns den Besichtigungstermin für den nächsten Tag um 10 Uhr. Keine Ahnung wie sie das geschafft hat. Sie ist ein Allround-Workaholic und heute unsere Freundin.

Wir standen am nächsten Morgen eine Stunde zu früh vor dem Haus und sahen ganz oben das Schild „se vende“. 7. Stock und das mit meiner Höhenangst!!!
Wir befanden uns ganz nah zur Altstadt genau in der Straße, durch die wir während jeder Reise gelaufen sind, um unser Auto in der White-Zone zu parken.

Einen Café con leche später haben wir uns dann mit der Maklerin und den Verkäufern getroffen und sind in den 7. Stock gefahren. Wir standen in einer Wohnung ohne Möbel, komplett gestrichen, aber mit dem Schick der 1970er Jahre und dem typischen Salzpfefferboden. Auf der Terrasse in S-Form, die zu einem Drittel ein Wintergarten ist, waren wir dann endgültig verliebt. Wir guckten in keinen Schacht, auf keine Hauswand, sondern über die Stadt und ganz hinten am Horizont sah man sogar das Meer. Die Verkäufer waren um die 60 Jahre alt und zu ihrer Tochter näher ans Meer gezogen. Wir mochten uns sofort und gingen direkt ans Ausmessen und Planen. In der Wohnung waren z.B. sieben dunkelbraune Türen und jetzt sind es nur noch drei weiße. Wir waren Anfang Juni zur Vertragsunterzeichnung und Schlüsselübergabe da. Aus Deutschland hatten wir natürlich schon alles für die Sanierung der Wohnung geklärt und mussten jetzt nur die Materialen auswählen und den Bauantrag stellen. Unser Baumeister hat innerhalb von sechs Wochen die gesamte Wohnung kernsaniert und tiptop sauber Ende Juli an uns übergeben.

Was wurde alles gemacht?

Die Wand zur Küche ist raus, alle alten Fliesen von den Wänden, schöner Fußboden verlegt, Decken abgesenkt für Deckenspots, Bad neu und alles weiß gestrichen.

Palma_Wohnung_vorherPalma_Wohnung_nachher

In Deutschland hatten wir ja schon seit 1 ½ Jahren ein klares Ziel des Sabbaticals vor Augen und schon damit begonnen, unseren Hausstand zu reduzieren.

Was das mit sich bringt, schreibe ich noch gesondert…

Die wichtigste Botschaft lautet: Wenn du im Leben etwas verändern möchtest, setz dir ein Ziel. Am besten ist es ein Ziel, das dir in dem Moment unerreichbar erscheint, so unrealistisch wie möglich. Dirk hatte dieses Ziel sich 1998 gesetzt und immer darauf hingearbeitet. Ich habe ihm sehr erfolgreich klargemacht, dass es überhaupt keinen Sinn macht, sich unrealistische Ziele zu stecken. Da es einen nur unnötig runterzieht, wenn man diese nicht erreicht. Lieber kleine, bescheidene Ziele setzen und jedes Erreichen feiern. Meine Strategie ging nicht auf, seine hingegen schon.

Wir landeten am 31.7.2015 in Palma und Dirk kam am selben Tag mit dem Auto an, bis unter das Dach vollgeladen mit Klamotten, Spielzeug, einem Klapprad, großen Autositzen für die Zwillinge und Haushaltsartikeln. Der Wagen lag so tief, dass ich zwei Tage vorher, als Dirk losfuhr, gebetet habe, er möge überhaupt ankommen, egal wie…

Ich landete mit den Kindern um 20 Uhr und Dirk war nicht wie abgesprochen am Flughafen, um uns abzuholen. Er ging auch nicht ans Handy, also sind wir mit dem Taxi gefahren und zum Glück hatte ich ebenfalls einen Schlüssel zur Wohnung. Als wir aufschlossen, hörten wir ein leises „Hilfe“.

Was war passiert?

Die Türen besaßen noch keinen Türgriff, weil uns vorher keiner per Foto gefiel. Durch das Öffnen sämtlicher Fenster und Türen, um bei der herrschenden Hitze für Durchzug zu sorgen, flog letztere zum Kinderzimmer, ohne Zugang zur Terrasse, zu. Dirk war fast sieben Stunden ohne Handy in dem Zimmer gefangen – in einem vollkommen leeren Raum, nur er und das Nichts. Als wir ihn mit einem flachen Schraubenzieher, der anstatt des Türgriffs als Öffner diente, befreiten, weinten wir als erstes alle fünf ganz fürchterlich und dankten dann dem lieben Gott dafür, dass wir am selben Tag geflogen sind und keinen Tag später.

Ich schlief natürlich keine Minute in der ersten Nacht, weil ich das Erlebte erstmal verarbeiten musste und mir Dirk so unfassbar Leid tat. Er kam hingegen ziemlich gut damit klar. Ich sagte ja schon, das Glas ist halbvoll und so wird es auch bleiben. Uns bringt nichts mehr so schnell aus der Ruhe.

Der erste Einkauf des folgenden Tages bestand natürlich aus Türgriffen!

Wir wohnten die ersten zwei Wochen nahezu ohne Möbel und somit erfüllte sich unser erster Traum vom Camping auf andere Weise. Wir waren jeden Tag unterwegs bei Ikea, Bauhaus usw. und richteten unser neues Zuhause ein. Das taten wir übrigens mit dem Geld, das wir durch Verkäufe unserer unnötigen, langjährig in Ecken eingelagerten Besitztümer in Bremen erwirtschaftet hatten. Fühlte sich toll an!
Die vielen Dinge hatten wir in 20 Jahren gemeinsamen Lebens angeschafft. Das meiste davon kaufte ich, um mich zu belohnen, dafür, dass ich so hart arbeitete. Ich bezahlte also mit meiner Lebenszeit Dinge, die ich nicht brauchte, von denen ich aber dachte, ohne sie nicht glücklich zu sein.

Der Beginn unseres Sabbaticals fühlte sich wie eine Abenteuerreise an, wir sprachen kein Wort Spanisch, was sich aber ziemlich schnell ändern sollte. Den Sommer verbrachten wir mit Besuch aus Deutschland, Möbelaufbau, abends am Stadtstrand, auf unzähligen Spielplätzen und an Stränden rund um die Insel.
Wir waren einfach nur glücklich. Innerhalb von vier Monaten war klar, das Leben in Dtl. geht nicht mehr für uns. Ab Januar planten wir schon den Hausverkauf, aber natürlich fiel mir das schwerer als Dirk. Für ihn war klar, dass er nicht mehr zurückkehrt und ich hatte mich zum Glück so weit verändert, dass ich es mir vorstellen konnte, gänzlich abzuschließen mit Bremen.
Natürlich spielen, wie bei allen Eltern, die Kinderwünsche die wichtigste Rolle. Aber die waren ja genauso glücklich wie wir. Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit in die Gemeinschaft integriert. Die Kinder gingen zur Schule direkt gegenüber und wir abends zur Sprachschule. So kam es dann auch, dass wir Freunde fanden. Wenn du im Ausland Leute kennenlernen möchtest, lerne zuerst ihre Sprache und gehe offen auf alle zu.
Natürlich ist es einfacher mit Kindern oder zumindest einem Hund!

Es gibt viele Menschen, die nach Mallorca ausgewandert sind und nicht wie wir mitten in Palma leben, sondern entweder irgendwo auf dem Land oder einem Touristenort. Das Erlernen der Sprache ist dann nicht einfach, wenn dort jeder zweite Deutsch oder Englisch spricht.
Die Spanier, Südamerikaner uvm. um uns herum wollten uns kennenlernen und wir hatten alle fünf eine unfassbare Begeisterung für die Sprache. Dafür braucht es kein Talent!!! Nur Begeisterung, Willen und Fleiß…

Zwei unserer Töchter vermissen hin und wieder Bremen, aber sie haben, wie wir alle, ein neues Zuhause mit neuen Freunden gefunden und verstehen, dass es wertvoller ist, ein Leben mit glücklichen Eltern, die zusammen sind, zu verbringen. Und Bremen wird immer unser aller Wurzel sein. Jetzt gilt es, den Kindern und uns Flügel zu verleihen.
In Bremen ist alles entstanden, hier hatten wir die tollsten Feiern, die schönsten Treffen, die emotionalsten Momente, hier sind unsere Töchter geboren und vielleicht leben wir irgendwann wieder dort…

Aber jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt und wir verplanen unser Leben nicht mehr bis zur Rente und beginnen erst dann zu leben, sondern entwickeln uns jeden Tag weiter und aus diesem entsteht immer wieder etwas Neues, von dem wir jetzt noch nichts wissen…
Unsere Familien, unsere Freunde, Arbeitskollegen, alle sind in unserem Herzen und wir werden sie hoffentlich regelmäßig sehen.
Die Welt ist für uns kleiner geworden. Es gibt nicht mehr nur Bremen und die Pauschalreisen ein/zwei Mal im Jahr.

Familie-Weltsprung

Wie ging es weiter?

Wir sind dann wie geplant Ende Juni nach elf Monaten zurückgeflogen (bzw. gefahren). Unser Haus war von zwei lieben Freundinnen geputzt und mit Blumen dekoriert worden, der Kühlschrank war gefüllt und es fühlte sich toll an, wieder nach Hause zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns gedanklich auf ein Jahr Bremen eingestellt, bevor wir ganz auswandern wollten.

Alles ganz in Ruhe klären, organisieren, arbeiten und zur Schule gehen. Ende Juli kam Rosa, unser Au-pair aus Barcelona, an, die wir für fünf Monate als Unterstützung und spanischsprachiges Familienmitglied organisiert hatten, um in der Sprache zu bleiben.
Wir hatten ein schönes Ankommen mit vielen Treffen und Besuchen der Familie und Freunden. Aber eins war nicht wie frühe – WIR! Wir hatten uns so sehr verändert, dass es uns schwerfiel, einfach so weiter zu machen wie zuvor. Uns fehlte die Sonne und der blaue Himmel. Wir wollten einfach draußen sein, das Leben genießen, die Lockerheit übertragen auf Deutschland, aber das ging nicht so einfach.

Die nächsten Brainstormings folgten und wir setzten uns ein neues Ziel. Sechs statt 12 Monate Deutschland und dann erstmal zurück nach Palma und mit freiem Kopf die nächsten Schritte planen.

Und so haben wir dann das Haus komplett ausgeräumt und alles Stück für Stück verkauft.
Ich war ja eigentlich der Ansicht, dass wir kaum noch etwas in den Ecken finden werden, da wir schon vor dem Sabbatical so unfassbar viel aussortiert hatten. Aber auch hier hatte Dirk wieder mal recht und ich musste erkennen, dass sehr sehr viel in der Garage, auf dem Dachboden, in den Schränken und Abseiten lagerte, was wir ein Jahr oder eigentlich schon seit dem Einzug nicht vermisst haben. Wenn euch das jetzt bekannt vorkommt, fangt am besten sofort an und trennt euch von den Dingen, die nur Gegenstände sind und keine signifikanten Emotionen auslösen. Es war für uns das Beste, befreiendste Gefühl, das wir uns vorstellen konnten, weil wir den Verlauf unseres Lebens nicht mehr von Dingen abhängig machen. Für mich war das früher sehr schwer vorstellbar, heute fällt es mir sehr leicht, Dinge als Dinge zu sehen, Menschen als Menschen, Erlebtes als Erinnerung zu speichern und dadurch befreit leben und reisen zu können.

Fast jeden Tag kamen nun also im Sommer und Herbst 2016 Leute zu uns, die unsere Anzeigen gelesen hatten und etwas kaufen wollten. Die Ecken des Hauses wurde leerer, die Möbel weniger und unser Geist freier.

Nebenbei hatten wir unseren ganz normalen Alltag. Ich ging wieder ins Büro und plante Arbeitsvorgänge für Abdämpfungen und Airbags, die in ein paar Jahren in Neufahrzeuge verbaut werden, die Kinder gingen zur Schule, zu ihren Hobbies, waren nachmittags verabredet, sprachen zu Hause mit unserem Au-pair Spanisch und die Monate vergingen wie im Flug. So ganz nebenbei schalteten wir eine Anzeige im Internet und innerhalb von zwei Wochen saßen wir mit der perfekten Familie beim Notar und verkauften unser Haus zum 31.12.! Das Datum unserer Abreise stand fest…

Wir hatten uns unser Ziel gesetzt und Dirk zeigte mir immer mal zwischendurch Fotos vom letzten Jahr. Google hat eine Funktion (die ich deaktiviert habe), bei der man täglich die Fotos von vor einem Jahr sieht (sofern man fotografiert hat). Meistens waren wir irgendwo am Strand oder draußen unterwegs und ein Jahr später regnete es und war dunkel. Die permanente Wolkendecke, die wir früher gar nicht wahrgenommen haben und die Kopfschmerzen, die durch den Luftdruck ausgelöst werden, haben uns ganz irre gemacht. Wir fühlten uns wie gefangen… Und ihr glaubt nicht, wie mich das zu Höchstleistungen angetrieben hat. Ich packte, verkaufte, verschenkte, spendete und warf weg mit klarem Kopf und klarem Ziel.

Bis Silvester verabschiedeten wir uns bei unseren Liebsten und übergaben sehr emotional unser Haus. Seit dem 1.1.17 sind wir nun wieder in Palma und wie es weitergeht, schreibe ich beim nächsten Mal… Zusätzlich wird es zu jedem spannenden Thema einen eigenen Blogbeitrag geben.

Viel Spaß beim Stöbern, inspirieren lassen und Pläne schmieden.

5 Kommentare
  1. Manni
    Manni says:

    Mariam,ich habe alles in einem Stück gelesen. Ihr habt alles richtig gemacht. Freue mich auf Fortsetzung . Schön, solche Freunde zu haben. Glg Manni ?

    Antworten
  2. Monika Siebens
    Monika Siebens says:

    Ein toller Blog, von euch wirklich gut geschrieben und lässt manches besser verstehen. Ich freue mich sehr auf weitere Berichte👍❤️
    Ganz liebe Grüße

    Moni, Jens und Katharina

    Antworten

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