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Nachricht eines Freundes

Freund_Mallorca

In den vergangenen Tagen erreichte uns die E-Mail unseres lieben und aktiven Freundes Michael, in welcher er seine und die Bedenken seiner Bekannten schrieb, dass der ein oder andere Leser durch unsere Texte animiert werden könnte, aufs Blaue auszuwandern und dann relativ schnell vor dem Nichts zu stehen. Um es direkt vorwegzunehmen, wer hofft, hier eine detailierte finanzielle Anleitung zur erfolgreichen Auswanderung zu erhalten, ist hier falsch. Jeder ist indivuell in seinen Bedürfnissen und somit auch seinen Ausgaben. Es ist zu kurz gedacht, dass jemand anderes dafür die Verantwortung übernehmen könnte, sei es auch nur durch einen Einblick in seine persönliche finanzielle Lage. Wie wir unser Geld verdient haben und wie umsichtig wir unsere Ausgaben planen, sollte dem Leser schon aufgefallen sein. Wir geben in erster Linie Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstfindung und darüber hinaus einen Blick in unsere persönliche Erfolgsgeschichte.

Die zweite Sorge bezog sich auf das Befinden unserer Töchter in Bezug auf unser „teilweise unverantwortliches“ Handeln. Die Fragestellung hängt natürlich auch immer kausal mit der inneren Einstellung des Fragenden zusammen. Diesen vielen Fragen sind gerade unsere Familien und Freunde ausgesetzt, da der Interessierte eine Position mitbringt, die innerlich endweder missgünstig oder gönnend der Antwort erwartend gegenüber eingestellt ist. Was im missgünstigen Fall dazu führt, dass sich der Antwortende in einer Situation befindet, in der er uns verteidigen oder für seine Meinung rechtfertigen muss. Wer uns kennt und liebt, denkt natürlich nicht negativ über uns oder klärt Zweifel sofort, so wie Michael.

Vielleicht wird dem ein oder anderen die Intention unserer Texte nicht vollständig klar. Wir möchten natürlich niemanden auffordern verantwortungslos zu handeln, sondern im Gegenteil. Der Weg in die innere und äußere Freiheit kann auch im Heimatland stattfinden, dieser verläuft zu allererst in das eigene Herz und von da durch den Körper zum Verstand. Der Mensch ist durch seine Sozialisation durchsetzt von Zweifeln, Ängsten und Sorgen. Natürlich haben wir die auch, aber wir stellen uns diesen, wägen sie sorgfältig ab und entscheiden uns dann.

Sich entscheiden zu müssen ist für die meisten schon ein zu großer Schritt, weil wir in den Köpfen unserer Mitmenschen, statt einfach nur in uns selbst sind. Was denkt der Nachbar über mich ist eine (für uns unerklärliche, aber) gesellschaftlich festverankerte Lebensfrage. Wir sollten uns immer nur fragen, was denke ich über mich. Bin ich stolz auf meine Leistung und mein Leben. Bin ich glücklich und frei in meinem Handeln?

Vielleicht können wir dem ein oder anderen mit unseren Texten eine Hilfestellung anbieten.

Unsere größten Sorgen beruhen immer auf den Gefühlen unserer Töchter. Uns ist bewusst, dass sie in Bremen Wurzeln geschlagen haben und auch jetzt in Palma wieder. Diese Wurzeln werden wir weiter wässern und liebevoll pflegen. Denn wir werden an beiden Orten regelmäßig sein. Ihren Geburtstag feiern die Kinder dieses Jahr zum Beispiel doppelt. Erst in Palma mit ihren Freunden und deren Familien und dann mit ihren Freunden in Bremen. Zweimal Heimat und hinzu kommen wohl noch ein paar mehr in der Zukunft. Weltenbummler, die sich irgendwann entscheiden dürfen, wo und wie sie leben möchten. Immer in dem Bewusstsein, dass ihre Wurzeln vor allem in ihnen und uns sind. Gibt es mehr Halt und ist dieser Halt somit ortsunabhängig? Wir haben uns von dem Trugschluss gelöst, dass Wurzeln an einen Garten gebunden sind.

Wenn diese Worte und Ansichten sehr große Abwehr bei dem ein oder anderen Leser auslösen, ist das völlig verständlich und der persönlichen Sozialisation geschuldet. Niemand muss sich damit auseinandersetzen, aber jeder sollte wenigstens wissen, dass es möglich ist, der Schmerz aushaltbar und dadurch die innere, neu gefundene Freiheit unbezahlbar.

Für uns unbezahlbar sind Fragen wie diese:

Neulich äußerte sich unsere Tochter Rena dahingehend, dass sie nicht nach Thailand möchte, wenn da nicht Spanisch gesprochen wird (sie sagte wirklich nicht Deutsch). Dass sie so ganz nebenbei fließend Spanisch gelernt hat und auch schon viel Englisch aufgrund des Fehlens deutscher Mitmenschen und Medien versteht, hat sie beruhigt. Warum ist es für unsere Mitmenschen so bedrohlich, sich auf eine neue Sprache einzulassen?

Weil alles Unbekannte erstmal bedrohlich ist. So einfach und doch so schwer. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg zu uns selbst. Vielen Dank Michael für Deine offenen Worte, Du bist ein wahrer Freund.

Nachfolgend die wichtigsten Passagen seiner E-Mail:

Moin Dirk,

interessant zu lesen, dass Ihr mit den selben Kritiken konfrontiert werdet, die auch mich konfrontieren, wenn ich von vielen meiner Freunde angesprochen werde, die von Euch gehört haben.
Also Euer angeblich teilweise unverantwortliches Handeln (z.B. den Kindern kein festes Zuhause und damit ein ständig wechselndes Umfeld zu geben)!

Ich selber kann zu diesem Punkt weder Kritik noch Lob geben, weil ich absolut nicht weiß, ob es gut oder schlecht am Ende ausgehen wird. Daher bin ich ja so gespannt Euer Leben weiterhin zu verfolgen!

Was mir aber auf jeden Fall die Nackenhaare schon immer aufstellt, ist dass es so wirkt als wenn Ihr möglichst viele Leute animieren möchtet es Euch gleich zu tun! Daher hatte ich neulich bei dem „Wie finanzieren wir das?“-Beitrag gehofft, dass Ihr klarer rausstellt für wen so eine Auswanderung etwas ist und für wen nicht! Dass es ja für viele Familien dramatisch geendet ist, hat man ja in den Auswanderer-Shows zur Genüge gesehen! 

Bitte nicht falsch verstehen – ich bewundere Euren Mut und finde die meisten Aspekte an Eurem Unternehmen bisher unglaublich faszinierend und freue mich total für Euch, dass Ihr es zu so viel Glück geschafft habt. Ich mache mir nur Sorgen, dass ihr bald Leute anziehen könntet ähnliches zu machen, die aus finanziellen Gründen dabei den Fehler ihres Lebens begehen könnten.

Liebe Grüße,

Michi

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