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Fragen und Antworten – Part #1

Mallorca-Fragen

Nachfolgend möchten wir euch gerne mit den häufigsten uns gegenüber gestellten Fragen konfrontieren. Ja, wir haben diese Fragen wirklich so gestellt bekommen. Diese Auflistung soll es euch einfacher machen, unsere Beweggründe sowie unsere Denkweise besser zu verstehen und nachvollziehen zu können. Lernt uns auf diese Weise kennen.

Möchtet ihr andere dahingehend bekehren ebenfalls auszuwandern?

Um Himmels Willen, das wäre vermessen und liegt überhaupt nicht in unserem Interesse. Wir schildern lediglich unseren Weg und unsere Gedanken und Gefühle. Wenn in diesem Zusammenhang bei unseren Lesern gewisse Aha-Effekte entstehen, um eingefahrene Verhaltensmuster zu durchbrechen und gewisse Handlungen und Denkweisen zu verändern, dann freuen wir uns natürlich darüber. Wir fühlen uns aber nicht dazu berufen, eine standardisierte Anleitung hin zu einem anderen Leben zu geben, dafür sind wir Menschen glücklicherweise zu unterschiedlich und setzen differenzierte Prioritäten. Jeder soll nach seinen individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten und nach Bedarf und Tempo in den Handlungsprozess übergehen.

 

Was sagen eigentlich die Kinder dazu?

Als wir uns Anfang 2015 vor unsere 4-jährigen Zwillinge gestellt haben, um ihnen zu offerieren, dass Mama und Papa nun nach Mallorca gehen möchten, da haben sie uns nur mit großen, irritierten Augen angeschaut. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich gefragt haben, wer denn Mallorca sei und ob sie dort auch etwas zu essen bekommen würden.

Nun mal Spaß beiseite. Selbstverständlich stehen wir immer im ständigen Austausch mit unseren drei Kindern und das Wohlbefinden unseres Nachwuchses besitzt für uns oberste Priorität. Wir sind im Übrigen bereits einfach zu alt, zu verantwortungsbewusst und zu erfahren, um Schritte zu gehen, von denen wir nicht hundertprozentig überzeugt sind.

Für unsere große Tochter war zum damaligen Zeitpunkt die Sprache ein wichtiger Aspekt und ob sie schnell Freunde und Anschluss finden würde. Nein, um das kurz vorwegzunehmen, wir haben nicht eine einzige Vokabel mit unseren Kindern gelernt. Wir haben auf die Karte Vertrauen gesetzt. Vertrauen darauf, dass auch in anderen Ländern Menschen leben werden, die ein Herz besitzen, Gefühle in sich tragen und einen hohen Grad an Empathie und Einfühlungsvermögen mitbringen. Wir sollten recht behalten und wurden mit sich steigerndem spanischem Wortschatz mit offenen Armen empfangen und in die Gesellschaft integriert.

Zusammenfassend bleibt also festzuhalten, dass die Frage in sich eine gewisse Komik aufweist und für uns nicht auf die Praxis übertragbar ist.

Gegenfrage: Lasst uns mal kurz darüber nachdenken. Wenn beispielsweise ein Elternteil die Option erhält, einen weitaus besser bezahlten Job in einem anderen deutschen Bundesland, weit weg von der eigentlichen Heimat, zu ergreifen, wird dann auch der Nachwuchs zuallererst in die Entscheidungsfindung so einbezogen, wie wir das mit unseren Kindern gemacht haben?

 

Schadet eure Lebensweise eigentlich euren Kindern?

Zugegeben, viele Fragen bzw. Denkmuster des Gegenübers sind einfach zu abstrus, um darauf eine adäquate Antwort zu liefern. Dennoch versuchen wir es.
Erst einmal bleibt zu hinterfragen, welcher Schaden denn entstehen soll, wenn wir unseren Kindern Offenheit gegenüber anderen Kulturen, Sprachen, Verhaltens- und Lebenswelten anderer Weltbürger aufzeigen, ihnen gleichzeitig Halt und Geborgenheit mit auf den Weg geben. Ihnen zeigen möchten, dass sie ihr Leben fest in der Hand haben und im Erwachsenenalter jederzeit selbst entscheiden können, wo und wie sie leben möchten. Lediglich unsere eingeschränkten Gedankenzüge bilden unsere Grenzen und führen zu einem Abarbeiten dessen, was wir als Lebenszeit klassifizieren.

 

Was sagen eure Eltern und Geschwister dazu?

Für unsere Eltern und Geschwister ist dieser Lebenswandel sicherlich mit am schwierigsten. Hier haben wir die größte Bindung seit Anbeginn unseres Lebensweges erhalten. Einschnitte wie diesen, heraus aus dem Normverhalten der Menschen, sind wahrscheinlich nicht voll umfänglich zu verstehen, geschweige denn zu akzeptieren. Wir geben unseren Kindern Wurzeln und Flügel mit auf den Weg, die wichtigsten Handwerkszeuge, um auf diesem Planeten bestehen zu können. Die Anwendung dieser muss jeder eigenverantwortlich und mit der entsprechenden Intensität einsetzen.

Wir als Familie leben unsere Gedanken und Vorstellungen aus, unabhängig davon, was unser Umfeld für uns als richtig einstuft. Wir können und werden es nicht jedem recht machen, nur um unsere Bedürfnisse auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Das ist nicht egoistisch gemeint, sondern nur ehrlich und diese Ehrlichkeit gepaart mit wirklichen und interessierten Fragen hebt uns als Menschen auf das nächste Level der Erkenntnis.

 

Konsumiert ihr noch deutsche Medien/Nachrichten?

Ganz klar JEIN. Wir besitzen kein deutsches Programm auf dem Fernseher, deutsche Websites lassen wir weitgehend aus. Sicherlich erreichen uns über Freunde vereinzelte Informationen, gleiches gilt auch für den Weg über soziale Medien. Aus unserer Sicht ist es nicht entscheidend, ob wir nun über alles informiert sind, was im Land unserer Wurzeln passiert oder nicht passiert.

Um diese Haltung vielleicht etwas verständlicher zu machen. Wir leben außerhalb Deutschlands, unser Fokus liegt auf dem Land, in dem wir uns gerade aufhalten. Es handelt sich also nicht um Gleichgültigkeit, Ignoranz oder dergleichen, uns geht es vielmehr um schnelle Integration und das Verständnis für unser aktuelles Umfeld. Mittendrin statt nur dabei!

 

Habt ihr eigentlich einen Plan B?

Wenn Plan A funktioniert, weshalb benötigen wir noch einen Plan B? Wenn wir eines in den letzten Jahren besonders gelernt haben, dann ist das die Tatsache, dass in unser aller Leben keine Sicherheit existiert. Diese wird uns lediglich suggeriert und soll dazu führen, dass wir uns geborgen und abgeholt fühlen. Das ist auch gut so, aber wie reagierst du, wenn etwas schiefgeht, nicht so läuft, wie es dir dein vermeintlich sicherer Hafen vorgegaukelt hat?

Deshalb ist es gut, wenn du zuvor deine innere Mitte gefunden hast, Vertrauen setzen kannst in deine Stärken, Erfahrungen und Kenntnisse. Wenn ich mir für alles und immer einen Plan B zurechtlege, dann konstituiere ich mein Inneres immerzu unterbewusst in diese Richtung und verabschiede mich gleichzeitig von meinen vorherigen Beweggründen. Angst ist und war noch nie ein guter Ratgeber, sondern vielmehr der größte Störfaktor auf unserem Lebensweg, also sollten wir dafür sorgen, diese zu respektieren, aber ihr nicht die Oberhand überlassen.

 

Was macht ihr, wenn euer eingeschlagener Lebensweg nicht funktioniert?

Nochmals, wir vertrauen in das, was wir tun. Eines haben wir alle gemeinsam, wir besitzen nur ein begrenztes Zeitkontingent auf diesem Planeten. Es gilt, dem zu folgen, was sich für alle Beteiligten gut anfühlt. Es gilt, Träume, Wünsche und Bedürfnisse von dem abzukoppeln, was die Allgemeinheit für richtig und adäquat für sein Gegenüber hält, sich frei zu machen von dem, was andere für den vermeintlichen Königsweg halten. Lebe deine Träume und dein Leben und beweg dich aus dem Kopf der anderen heraus.

Aber letztendlich gilt auch das, was Konrad Adenauer einst äußerte:
„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern oder wollen Sie mich daran hintern, weiser zu werden?“

 

Was macht ihr mit der Schule?

In vielen Ländern Europas gilt ganz klar die Schul- und Gebäudeanwesenheitspflicht. Daran halten wir uns. Auf einer Weltreise, die einhergehen kann, aber nicht zwingend muss (weil beispielsweise eine einjährige Schulbefreiung vorliegt), mit einem gleichzeitigen Abmelden aus Deutschland, gilt diese zuvor genannte Pflicht nicht mehr. Damit ist Eigeninitiative bezüglich der Wissensvermittlung und des eigenen Lebens und Handelns gefordert. Du bist frei, bewegst dich auf eigenen Beinen, selbstbestimmt – lerne damit umzugehen.

 

Ist eine Weltreise nicht gefährlich?

Unsere vertrauenswürdigste Anlaufstelle wird die Internetseite des Auswärtigen Amtes sein. Hier findet jeder verantwortungsbewusste und handelnde Mensch Informationen über das entsprechende Land, in welches die Reise gehen soll. Wir beabsichtigen nicht, Schritte zu tätigen, die uns in Gefahr bringen werden.

 

Vermisst ihr eure Heimat?

Ich möchte es an dieser Stelle nochmals wiederholen. Jeder, der einen deutschen Pass bei sich trägt, kann aufhören, mittwochs und samstags Lotto zu spielen. Wir haben bereits gewonnen, den Sechser mit Superzahl sogar. Es ist uns möglich, in nahezu jedes Land der Welt zu reisen, uns frei zu bewegen, vermeintliche Grenzen zu überwinden, in Sicherheit zu leben, keinen Hunger und Durst zu leiden, keine eklatanten Zukunftsängste zu haben. Machen wir uns diese Tatsache einfach bewusst.

Nein, wir vermissen unsere Heimat nicht, wir sind uns unserer Wurzeln sehr bewusst und auch dankbar dafür, aber aktuell nutzen wir eine tolle zweite Errungenschaft – unsere Flügel.

 

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